Die Kritik 1 - SAARBRÜCKER ZEITUNG
Kabarett genau zur rechten Zeit  

Das Trio Marx, Ruge und Holzhauser begeisterte das Publikum in der Arbeitskammer Kirkel

Vor ausverkauftem Haus spielte das Trio Marx, Ruge und Holzhauser sein aktuelles Programm „Trotz alledem“. Der Bogen spannte sich von Liedern aus der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts über Brecht bis hin zu linken Liedern bekannter Liedermacher wie Bob Dylan. Musikalisch lebte das Trio von Gitarre und Akkordeon. Natürlich durften zynische Kommentare von Reiner Marx nicht fehlen.  

VON SZ-MITARBEITER BERNHARD REICHHART

Kirkel. Ein ausverkauftes Haus, bekannte alte Lieder in einer neuen Zeit, hervorragend dargeboten von Marx, Ruge und Holzhauser. Mit dem aktuellen Programm „Trotz alledem“, welches den Untertitel „Linke Lieder zur rechten Zeit“ trägt, begeisterte das Trio Reiner Marx, Hans Ruge und Jürgen Holzhauser die Besucher im Bildungszentrum Kirkel. Wenn man sich den Inhalt des politischen Kabarett-Programmes betrachtete, so handelte es sich um Musik, welche bis 1989 vor allem von so genannten Liedermachern präsentiert wurde. Einer Künstlergattung, welche danach scheinbar genauso rasch überflüssig wurde wie die große politische Utopie. „Linksbessersänger“ Ruge und „Scheff“ Holzhauser waren lange Jahre als Liedermacher unterwegs, wobei sie schon damals tatsächlich weniger Lieder selbst machten, als bereits vorhandene zu interpretieren. Ihrer Tätigkeit durch das Zuwachsen blühender Landschaften beraubt, konzentrierten sie sich mit der Gruppe „Schablonsky’s Juckpulver“ auf das politische Kabarett, das sich in einem schöpferischen Langurlaub suhlt. So ist aus der Langeweile und dem exhibitionistischen Drang zur Bühne ein neues Programm mit alten Liedern entstanden, welches immer wieder von Reiner Marx in einer Conférence verächtlich aus der neoliberalen Ecke kommentiert wird. Doch nach eigener Aussage hätte er sich an diesem Abend etwas Angenehmeres vorstellen können, als einem gleichfalls gelangweilten wie unwissendem Publikum olle Kamellen ankündigen und kommentieren zu müssen. Lieber hätte er sich ja „splitterfasernackt mit meiner noch splitterfasernackteren jungen Geliebten auf einem Eisbärenfell vor dem Kamin mit Champagner vergnügt“.

Von Dylan bis Degenhardt

Warum er sich aber gegen seinen Willen in die Niederungen der Arbeiterbewegung herab- und auf deren Kulturgut einließ, das war eine der spannenden Fragen, welche an diesem Abend beantwortet wurden. Der Bogen der Lieder spannte sich von den Gedanken, die Anfang des 19. Jahrhunderts plötzlich als frei erkannt wurden, bis zu den Songs von Bob Dylan und Donovan oder Franz- Josef Degenhardt. Es ging um die bürgerliche Revolution, den Sozialismus, Krieg und Antifaschismus, die große Zeit des deutschen Tonfilms in den fünfziger Jahren bis in die Gegenwart. Das Programm verband Kabarett-Texte und Lieder, lebte eindeutig von der Spannung zwischen den von Jürgen Holzhauser (Gitarre, Akkordeon) und Hans Ruge (Gitarre) vorgetragenen Liedern und den ironisch-zynischen Kommentaren von Reiner Marx. Das gut zweistündige und in elf Blöcke eingeteilte Programm beschäftigte sich Zeitschienen mäßig klar sortiert zunächst mit der Freiheit („Die Gedanken sind frei“), den Bauern, gefolgt von der Auseinandersetzung mit den Querulanten, dem Wehrstand mit Brechts „Legende vom toten Soldaten“, dem frühfeministischen Weiberjammer über die Nachkriegs- und Adenauerzeit bis hin zu Solidarität ( „Bella Ciao“, dem wohl bekanntesten Lied des internationalen Antifaschismus). Mit der Zugabe „Bet und arbeit ruft die Welt“ (Text: Georg Herwegh) entließ das Trio ein begeistertes Publikum („Endlich hört man solche Lieder noch mal“). Aufgrund der regen Nachfrage ist im März oder April ein Zusatzkonzert geplant. Hingehen trotz der alten Lieder? Ja! Unbedingt! Und zwar: Trotz alledem!
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DIE KRITIK 2 - VIP´s NEUNKIRCHEN (April 2006)
 
linke lieder zur rechten zeit

Bekannte alte Lieder in einer neuen Zeit erlebten die Zuhörer beim Konzert von Marx, Ruge und Holzhauser. Mit ihrem Programm „Trotz alledem“, das den Untertitel „Linke Lieder zur rechten Zeit“ trägt, begeisterte das Trio Reiner Marx, Hans Ruge und Jürgen Holzhauser die Besucher im Bildungszentrum Kirkel.

Wenn man sich die Inhalte des politischen Kabarett-Programms betrachtete, so handelte es sich um Musik, welche bis 1989 vor allem von so genannten Liedermachern präsentiert wurde, einer Künstlergattung, welche danach scheinbar genauso rasch überflüssig wurde wie die große politische Utopie. „Linksbessersänger“ Ruge und „Scheff“ Holzhauser waren lange Jahre als Liedermacher unterwegs, wobei sie schon damals tatsächlich weniger Lieder selbst machten als bereits vorhandene zu interpretieren. Ihrer Tätigkeit durch das Zuwachsen blühender Landschaften beraubt, konzentrierten sie sich mit der Gruppe „Schablonsky’s Juckpulver“ auf das politische Kabarett, das sich in einem schöpferischen Langurlaub suhlt.

So ist aus der Langeweile und dem exhibitionistischen Drang zur Bühne ein neues Programm mit alten Liedern entstanden, welches von Reiner Marx verächtlich aus der neoliberalen Ecke kommentiert wurde. Er hätte sich jedoch „etwas Angenehmeres vorstellen können, als einem gleichfalls gelangweilten wie unwissendem Publikum olle Kamellen“ ankündigen und kommentieren zu müssen. Warum er sich gegen seinen Willen in die Niederungen der Arbeiterbewegung herab und auf deren Kulturgut einließ, das war eine der spannenden Fragen, welche an diesem Abend beantwortet wurden.

Der Bogen der Lieder spannte sich von den Gedanken, die Anfang des 19. Jahrhunderts plötzlich als frei erkannt wurden bis zu den Songs von Bob Dylan, Donovan oder Franz-Josef Degenhardt. Es ging um bürgerliche Revolution, Sozialismus, Krieg und Antifaschismus, die große Zeit des deutschen Tonfilms in den fünfziger Jahren bis in die Gegenwart. Das Programm verband Kabarett-Texte und Lieder, lebte eindeutig von der Spannung zwischen den von Jürgen Holzhauser (Gitarre, Akkordeon) und Hans Ruge (Gitarre) vorgetragenen Liedern und den ironisch-zynischen Kommentaren von Reiner Marx.

Das in elf Blöcke eingeteilte Programm beschäftigte sich mit der Freiheit, den Bauern, gefolgt von der Auseinandersetzung mit den Querulanten, dem Wehrstand mit Brechts „Legende vom toten Soldaten“, dem frühfeministischen Weiberjammer über die Nachkriegs- und Adenauerzeit bis hin zu Solidarität. Aufgrund der Nachfrage ist im März oder April ein Zusatzkonzert geplant.

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